Hartfrid Wolff - Mitglied des Bundestages

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Rede 18.03.2009 - Aktuelle Stunde Amoklauf Winnenden


Datum: 18.3.2009
Tagesordnungspunkt: Aktuelle Stunde

Diese Debatte heute hat nichts mit einer üblichen „Aktuellen Stunde“ zu tun. Diese Debatte kann keine Lösungen präsentieren. Betroffenheit und Trauer sind für mich bestimmend.

Anrede,

Der Amoklauf von Winnenden und Wendlingen hat uns alle erschüttert und fassungslos gemacht.

Unser Mitgefühl gilt den Opfern,
den Verletzten, den Angehörigen der Ermordeten, und allen, die diese fürchterliche Tat miterleben mußten.

In der katastrophalen Situation waren zahllose Retter schnell vor Ort.

Die Polizei war nach nur drei Minuten am Ort des Geschehens und griff beherzt ein. Dies in einer solchen Situation zu tun, diesen Mut aufzubringen ist in höchstem Maße beachtenswert.

Der Stuttgarter Regierungspräsident hat auf das großartige Verhalten der Lehrer in der Albertville-Realschule hingewiesen.

Ich kann nur sagen: Für mich sind diese Lehrerinnen und Lehrer Helden.
Obwohl manche schon verletzt waren haben sie noch rechtzeitig die Schüler in Sicherheit gebracht, Türen verschlossen und haben die Schülerinnen und Schüler beruhigt.

Ihnen und allen Helfern gilt unser Dank für ihren umsichtigen, großartigen Einsatz.

Alle Helfer und Seelsorger wurden mit furchtbaren Eindrücken unmittelbar konfrontiert.
Viele sind noch immer vor Ort und stehen den Trauernden zur Seite.

Die Last dieser Ereignisse wird sie noch lange bedrücken. Winnenden ist nicht mehr dieselbe Stadt.

Das schockierende Verbrechen läßt uns alle ratlos zurück. Wir fragen betroffen, wie so etwas geschehen konnte und wie wir uns in Zukunft davor schützen können.

Eine Diskussion hierzu muss stattfinden. Sie muss vor allem die Opfer im Blick haben. Ihnen sind wir es schuldig, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen. 
Aber ich glaube auch, dass es für eine sachliche politische und gesetzgeberische Schlussfolgerung noch viel zu früh ist.

In letzter Zeit wurden unglaublich viele Vorschläge gemacht und ich sage ihnen zu, dass sich die FDP mit den seriösen Vorschlägen intensiv auseinandersetzen wird. Eine sachliche und umsichtige Prüfung der Ratschläge muss in Ruhe geschehen.

Aktionismus hilft weder den Betroffenen noch einer notwendigen Aufarbeitung der tragischen Geschehnisse.

Als Abgeordneter aus dem Wahlkreis von Winnenden meine ich, ist es richtig, wenn wir, die hauptamtlichen Politiker dieser Republik, nicht gleich mit vorgefertigten Lösungen kommen.

Wie Menschen vor dieser Gewalt bewahrt werden können, wie auch Vereinzelung verhindert werden kann und der Zusammenhalt in einem Gemeinwesen funktioniert sind komplexe Fragen.

Wir brauchen eine tiefgehende Diskussion, die nicht schon eine Woche nach der grausamen Tat erfolgen sollte.
Wir brauchen noch Raum für Trauer.
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